Leasingrückgabe: aus 2.900 € Minderwert wurden 1.150 €
Drei Wochen nach der Rückgabe kam die Rechnung: 2.900 € Minderwert für ein Fahrzeug, das der Halter als gepflegt in Erinnerung hatte. Der Streitpunkt war nicht der Zustand – sondern die Frage, was als normale Abnutzung gilt.
Forderung Leasinggeber
2.900 €
Belegter Minderwert
1.150 €
Für den Mandanten
−1.750 €
Wie es dazu kam
Drei Jahre, 68.000 Kilometer, größtenteils Autobahn zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Der Mandant war den Wagen umsichtig gefahren, hatte jede Wartung im Autohaus machen lassen und ihn zwei Wochen vor der Rückgabe noch aufbereiten lassen – in der Annahme, damit auf der sicheren Seite zu sein.
Die Rückgabe selbst dauerte keine halbe Stunde. Ein Prüfer ging mit einer Prüfliste auf dem Bildschirm um das Fahrzeug, hakte ab und fotografierte. Gesprochen wurde wenig. Das Protokoll bekam der Mandant nicht ausgehändigt, sondern zwei Wochen später per Post – zusammen mit einer Rechnung.
Die Ausgangslage
Ein Mittelklasse-Kombi aus einem Dreijahresvertrag, 68.000 Kilometer, scheckheftgepflegt. Bei der Rückgabe machte der Prüfdienst des Leasinggebers ein Protokoll mit 14 Positionen: Steinschläge an der Front, Kratzer an der Fahrertür, Spuren an zwei Felgenkanten, Gebrauchsspuren an der Ladekante, Reifen mit 3,2 mm Restprofil.
Die Rechnung: 2.900 €. Der Halter rief uns an, nachdem er das Schreiben erhalten hatte. Das Fahrzeug stand noch beim Autohaus – der entscheidende Umstand, denn nur so konnten wir den Zustand selbst begutachten.
Anreise und Begutachtung
Wir waren am Tag nach dem Anruf beim Autohaus. Zuerst die Sichtprüfung bei Tageslicht und mit Handleuchte, dann die Messtechnik: Schichtdickenmessung an allen Karosserieflächen, Profiltiefenmessung an allen vier Reifen, Fotodokumentation jeder im Protokoll genannten Position mit Maßstab.
Ergebnis: Die Schichtdicken lagen durchgehend im Werksbereich – keine Nachlackierung, kein verdeckter Unfallschaden. Von den 14 Positionen des Prüfdienstes waren neun als altersübliche Abnutzung einzuordnen, drei tatsächlich instandsetzungsbedürftig und zwei doppelt erfasst.
Position für Position gegenübergestellt
Position
Leasinggeber
Unser Gutachten
Leasinggeber
Steinschläge Front
Steinschläge Front
Lackierung Stoßfänger und HaubeSteinschläge Front
Altersüblich bei 68.000 km – keine PositionKratzer Fahrertür
Kratzer Fahrertür
Teillackierung der TürKratzer Fahrertür
Politurfähig, Tiefe unterhalb der KlarlackgrenzeFelgenkanten
Felgenkanten
Zwei Felgen ersetzenFelgenkanten
Kosmetische Aufarbeitung ausreichendLadekante
Ladekante
Schutzfolie und LackierungLadekante
Gebrauchsspur ohne SubstanzschadenReifen 3,2 mm
Reifen 3,2 mm
Vier neue ReifenReifen 3,2 mm
Über gefordertem Mindestprofil – nicht geschuldetUnser Gutachten
Vom Gutachten zur Einigung
Tag 1
Anruf und Sichtung der Unterlagen
Wir haben das Rückgabeprotokoll und die Minderwertrechnung geprüft und sofort erkannt, dass mehrere Positionen doppelt und pauschal angesetzt waren.
Tag 2
Begutachtung im Autohaus
Anreise zum Fahrzeug, Schichtdickenmessung, Profiltiefen, Fotodokumentation jeder beanstandeten Position mit Maßstab.
Tag 3
Zustandsgutachten
Bewertung jeder Position nach Rückgabestandard: neun altersüblich, drei instandsetzungsbedürftig, zwei doppelt erfasst. Belegter Minderwert: 1.150 €.
Woche 2
Einigung
Der Halter reichte das Gutachten beim Leasinggeber ein. Die Forderung wurde auf 1.150 € korrigiert und so beglichen.
Was Du daraus mitnehmen kannst
Lass den Zustand zwei bis vier Wochen vor der Rückgabe dokumentieren – dann kannst Du kleine Mängel selbst günstiger beheben.
Der Minderwertbericht des Leasinggebers ist eine Einschätzung, kein Urteil.
Restprofiltiefe, Steinschläge und polierfähige Kratzer sind die häufigsten überhöhten Positionen.
Ist das Fahrzeug schon weiterverkauft, ist die Beweisführung deutlich schwieriger – handle früh.
Beispielfall zur Veranschaulichung des Ablaufs. Beträge, Fristen und Ergebnisse sind einzelfallabhängig und keine Zusage für andere Fälle. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Leasingrückgabe steht an?
Wir dokumentieren den Zustand vorher – dann gibt es später keine Diskussion.